Andere Schreibende

Viele Jahre lang dachte ich, Schreiben ist ein einsame Sache (also wurde es auch zu einer einsamen Sache.) Vielleicht war es mir auch wichtig, dass es einsam ist, nur für mich, weg von der Welt, sich mit niemand anderem auseinandersetzen. Jetzt bin ich froh, dass es vorbei ist mit der Einsamkeit – das tut mir gut, vor allem tut es den Texten gut. Der Austausch mit anderen Schreibenden ist notwendig, bereichernd, spannend. Mein großes Problem des „Dranbleibens“ wird dadurch auch etwas kleiner, denn andere sind auch am „Dranbleiben“ über alle Schwierigkeiten und Hindernisse hinweg. Der ganze Schreibprozess, das Begreifen, was der Schreibprozess eigentlich ist wird realistischer, „griffiger“, einfach auch: Teil des Alltags. Das tut gut.

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Gute Ideen

Einige Menschen, mit denen ich im Laufe der letzten Jahre über das Schreiben gesprochen habe, sagen: Ich könnte nie so gute Ideen haben (wie sie in Texten vorkommen, manchmal auch in meinen.) Wenn ich sie hätte, würde ich vielleicht auch schreiben. Ich antworte darauf zunehmend ähnliches: die guten Ideen liegen auf der Straße. Ich brauch mich nur einige Zeit in ein Kaffeehaus setzen oder die Zeitung aufmerksam durchlesen – schon habe ich mehr gute Ideen, als ich jemals werde verarbeiten können. Ideen habe ich wirklich dauernd. Viele davon sind wahrscheinlich auch gut. Die Herausforderung ist, an den Ideen dran zu bleiben und sie zu gestalten. Das braucht Zeit, Geduld, auch eine Menge Handwerk, Wissen,  da kann ich jederzeit scheitern, weil mir die Umsetzung eben nicht gelingt.  Bei mir lautet der Fortschritt: das Scheitern entmutigt mich nicht mehr. Das Schreiben wird immer weiter gehen. Einige meiner Ideen werde ich umsetzen.

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Kreativität und Konsum

In all der Zeit, in der ich mich mit meinen kreativen Projekten beschäftige, mache ich eines nicht: konsumieren. Ich bin nicht irgendwo und kaufe ein. Ich bin irgendwo und denke nach. Ja, doch, es kann schon sein, dass ich eine Tasse Tee, Kaffee oder einen Saft konsumiere – oder dass sich (wieder einmal) der Kauf eines Buches ergibt. Aber das ist es auch. Ansonsten bin ich als Konsument wertlos. (Natürlich - oft bin ich am Computer, auch online, das ist schon Konsum.) Könnte das der Grund sein, warum Kreativität, wenn sie überhaupt gelehrt wird, meist nur im Zusammenhang mit „Produktivitätsverbesserung“ gelehrt wird? So spinne ich meine unproduktiven Gedanken. Und draußen rast die Welt. Wohin auch immer.

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Roman und Ruhe

Sie ruhen zu lassen, hat der Arbeit am Roman gut getan. Es hat sich etwas in mir bewegt und strukturiert, was es jetzt möglich macht, ein wenig weiter zu arbeiten. Etwas wird deutlicher – wohin ich möchte, was vorkommen soll, was ich dem Leser „zu fühlen geben will“.

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Ein verwandter Leser

„Wenn er ein Buch gekauft hatte, schlug er es meistens zuerst hinten auf, las die Verzeichnisse der zuletzt erschienenen Taschenbücher; darunter waren oft noch unter dem Hinweis Demnächst erscheinen fünf bis zehn Titel angeführt. Oder es wurde auf einer der letzten Seiten mit Zitaten aus Rezensionen für eine Neuerscheinung geworben.“ (Walter Kappacher, Ein Amateur)
Ein Buch führt zum nächsten Buch, oft noch bevor man das eine gelesen hat - wie ich das kenne.

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Bücher wegwerfen

Ja, ich tue es. Für viele Lesende eine alptraumhafte Vorstellung. Ich werfe Bücher weg. Nun habe ich das passende Zitat dazu gefunden, in dem wunderbaren Buch „84, Charing Cross Road“ von Helene Hanff (ein Buch, das ich nicht wegwerfen werde.)
„Ich besitze nur drei Bücherregale und nur noch sehr wenige Bücher, die ich wegwerfen kann. Jedes Jahr im Frühjahr mache ich Bücher-Großputz und werfe die hinaus, die ich nie wieder lesen werde, so wie ich alte Kleider, die ich nie wieder tragen werde, wegwerfe. Alle Welt ist darüber schockiert. Meine Freunde sind komisch mit Büchern. Sie lesen alle Bestseller, und das so schnell wie möglich,  ich glaube, sie überspringen viel. Und sie lesen NIE etwas zwei Mal, weshalb sie sich ein Jahr später an kein einziges Wort erinnern können. Aber sie sind tief schockiert, wenn ich ein Buch in den Papierkorb werfe oder es fortgebe. Wie sie mich dabei ansehen: Man kauft ein Buch, man liest, man stellt es ins Regal, man öffnet es nie wieder im ganzen Leben, aber MAN WIRFT ES NICHT WEG! NICHT WENN ES EIN GEBUNDENES BUCH IST! Warum nicht? Ich für meine Person kann mir nichts weniger Heiliges vorstellen als ein schlechtes oder auch ein mittelmäßiges Buch.) (S.87 f)
Natürlich gibt es in meinen Regalen „heilige“ Bücher. Die würde ich auch nicht wegwerfen, wenn sie mir unter den Händen zerfallen. Da würde ich dann ein zweites als Leseexemplar kaufen. Dafür ist ja dann Platz

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Lesen in der Badewanne

Mit meiner kleinen Tochter lerne ich: es gibt Bücher zum Schmusen, zum Greifen, zum Herumwerfen, zum Darauf-Herum-Kugeln. Es gibt Bücher für den Kinderwagen. Es gibt Bücher für die Badewanne. Wird sie vielleicht irgendwann nicht mehr aus der Wanne wollen, weil sie ihr Badewannenbuch liest? Ich kenne Erwachsene, denen es so geht. (Immer schön warmes Wasser nachlaufen lassen.)

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Besondere Bücher II

Thomas Mann „Meerfahrt mit Don Quijote“, ein schmales gebundenes Buch aus dem Fischer-Verlag. Ein „Mängelexemplar“. Ich schlage es auf und finde eine Widmung von mir an mich selbst: „Berlin, Alexanderplatz, März 2004″  Ich sehe alles wieder vor mir, den Platz, den Himmel über dem Platz an dem Tag, als ich das Buch kaufte, den Fernsehturm, das Geschäft, in dem ich das Buch aus einer Wühlkiste zog. Thomas Mann schrieb das Buch als Tagebuch-Bericht einer Amerika-Reise, die er mit dem Schiff 1934 unternahm, mitten in der deutschen Wirtschaftskrise, das grosse Unheil zieht schon herauf. Er denkt nach in diesem Text, über sich selbst, über das Meer, über Amerika, über Europa und vor allem: über den Roman „Don Quijote“. Ich lese das Buch, begleite ihn beim Nachdenken, tauche in eine Schiffsreise aus dem Jahr 1934 ein. In dem Buch gibt es alle paar Seiten ein Foto – ein Bild und die Geschichte von besonderen Schiffen, die zwischen Europa und Amerika verkehrten. Die meisten waren zuerst Passagierschiffe, dann Kriegsschiffe, wurden zerstört, wieder hergerichtet, verkauft, sind zurück gekehrt, versanken oder wurden abgewrackt. Jedes von ihnen eine Geschichte für sich selbst. Ein Buch voller Erinnerungen auf vielen Ebenen.

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Andere Texte

Der Roman ruht ein wenig. Die Charaktere und die Geschichte brauchen gerade wieder eine Pause, in der sie über ihre Weiterentwicklung nachdenken. Es enstehen zwei andere Texte. Ein Assoziations-Text für einen wichtigen Menschen in meinem Leben. Ein poetischer Bericht über eine entscheidende Erfahrung in meiner Biographie. Schreiben ist auch:  Ausdrücken, worüber man nachdenkt.

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Symbiose und Charaktere

Ich fühle mich meinen Charakteren so nahe wie nie. Wahrscheinlich hat es etwas mit der tiefen Symbiose zu tun, in der ich mich mit meinem Baby befinde. Auch die Charaktere kommen auf die Welt und müssen wachsen und sich dem Leben stellen. Ich liefere sie momentan keiner Kritik, keiner Beurteilung, keiner Bewertung aus. Sie dürfen einfach sein. Sie dürfen einfach entstehen, sich entfalten. Sie bewegen sich durch die Szenen und probieren aus, wer sie sind. Sie winken mir zu und grinsen. Dann stürzen sie sich wieder in ihre schicksalhaften Verstrickungen.

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