Bücher, die etwas länger brauchen

Auch – und gerade in Zeiten? – des Internets braucht manches Buch Zeit, um zu einer Leserin zu kommen. Ich bestelle zahlreiche Bücher in einer Buchhandlung meines Vertrauens – dieses hier – hat viele Wochen gebraucht, bis es in der Buchhandlung angekommen ist.

Aber auch beim schnellen Internet-Dienstleister braucht so manches seine Zeit: auf dieses Buch warte ich nun schon sehr, sehr lange – aber das macht nichts. Die noch nicht gelesenen Bücher gehen mir in der Zwischenzeit nicht aus.

Manchmal ist es schön, einfach nur über Bücher nachzudenken

Bei einem Arztbesuch lese ich in einer alten Zeitschrift eine Rezension über ein Buch. (Dieses hier.) Ich werde das Buch vielleicht aus Zeitgründen nicht so bald lesen können – aber ich genieße es, die gut geschriebene Rezension zu lesen. Mich an „Der Fänger im Roggen“ zu erinnern. (Englisches Original  als Schullektüre, deutsche Übersetzung von Heinrich Böll dann viele Jahre später einfach für mich) und an Gespräche mit einer Freundin über das Buch.

Am Abend schaue ich mit meiner Tochter ein Bilderbuch an. Sie will es gleich dreimal hintereinander vorgelesen haben. (Dieses.) Ich erinnere mich daran, dass ich es gekauft habe, als „Bücher“ für sie etwas waren, was man aus den Regalen ausräumte. Nun „lesen“ wir es gemeinsam. Wie wunderschön.

alt & neu

was ist zeit –

Nach nicht ganz zwei Jahren starte ich hier wieder meine Einträge. Als erstes gibt es einen Link zu meinen Beiträgen auf leselupe.de, dort veröffentliche ich Texte von mir unter dem Pseudonym „multimind“. Alte Texte, neue Texte – es geht wieder los. Kreuz und quer durchs Netz, durch die Literatur, durch Lesen und Schreiben.

Andere Schreibende

Viele Jahre lang dachte ich, Schreiben ist ein einsame Sache (also wurde es auch zu einer einsamen Sache.) Vielleicht war es mir auch wichtig, dass es einsam ist, nur für mich, weg von der Welt, sich mit niemand anderem auseinandersetzen. Jetzt bin ich froh, dass es vorbei ist mit der Einsamkeit – das tut mir gut, vor allem tut es den Texten gut. Der Austausch mit anderen Schreibenden ist notwendig, bereichernd, spannend. Mein großes Problem des „Dranbleibens“ wird dadurch auch etwas kleiner, denn andere sind auch am „Dranbleiben“ über alle Schwierigkeiten und Hindernisse hinweg. Der ganze Schreibprozess, das Begreifen, was der Schreibprozess eigentlich ist wird realistischer, „griffiger“, einfach auch: Teil des Alltags. Das tut gut.

Gute Ideen

Einige Menschen, mit denen ich im Laufe der letzten Jahre über das Schreiben gesprochen habe, sagen: Ich könnte nie so gute Ideen haben (wie sie in Texten vorkommen, manchmal auch in meinen.) Wenn ich sie hätte, würde ich vielleicht auch schreiben. Ich antworte darauf zunehmend ähnliches: die guten Ideen liegen auf der Straße. Ich brauch mich nur einige Zeit in ein Kaffeehaus setzen oder die Zeitung aufmerksam durchlesen – schon habe ich mehr gute Ideen, als ich jemals werde verarbeiten können. Ideen habe ich wirklich dauernd. Viele davon sind wahrscheinlich auch gut. Die Herausforderung ist, an den Ideen dran zu bleiben und sie zu gestalten. Das braucht Zeit, Geduld, auch eine Menge Handwerk, Wissen,  da kann ich jederzeit scheitern, weil mir die Umsetzung eben nicht gelingt.  Bei mir lautet der Fortschritt: das Scheitern entmutigt mich nicht mehr. Das Schreiben wird immer weiter gehen. Einige meiner Ideen werde ich umsetzen.

Kreativität und Konsum

In all der Zeit, in der ich mich mit meinen kreativen Projekten beschäftige, mache ich eines nicht: konsumieren. Ich bin nicht irgendwo und kaufe ein. Ich bin irgendwo und denke nach. Ja, doch, es kann schon sein, dass ich eine Tasse Tee, Kaffee oder einen Saft konsumiere – oder dass sich (wieder einmal) der Kauf eines Buches ergibt. Aber das ist es auch. Ansonsten bin ich als Konsument wertlos. (Natürlich – oft bin ich am Computer, auch online, das ist schon Konsum.) Könnte das der Grund sein, warum Kreativität, wenn sie überhaupt gelehrt wird, meist nur im Zusammenhang mit „Produktivitätsverbesserung“ gelehrt wird? So spinne ich meine unproduktiven Gedanken. Und draußen rast die Welt. Wohin auch immer.

Ein verwandter Leser

„Wenn er ein Buch gekauft hatte, schlug er es meistens zuerst hinten auf, las die Verzeichnisse der zuletzt erschienenen Taschenbücher; darunter waren oft noch unter dem Hinweis Demnächst erscheinen fünf bis zehn Titel angeführt. Oder es wurde auf einer der letzten Seiten mit Zitaten aus Rezensionen für eine Neuerscheinung geworben.“ (Walter Kappacher, Ein Amateur)
Ein Buch führt zum nächsten Buch, oft noch bevor man das eine gelesen hat – wie ich das kenne.

Bücher wegwerfen

Ja, ich tue es. Für viele Lesende eine alptraumhafte Vorstellung. Ich werfe Bücher weg. Nun habe ich das passende Zitat dazu gefunden, in dem wunderbaren Buch „84, Charing Cross Road“ von Helene Hanff (ein Buch, das ich nicht wegwerfen werde.)
„Ich besitze nur drei Bücherregale und nur noch sehr wenige Bücher, die ich wegwerfen kann. Jedes Jahr im Frühjahr mache ich Bücher-Großputz und werfe die hinaus, die ich nie wieder lesen werde, so wie ich alte Kleider, die ich nie wieder tragen werde, wegwerfe. Alle Welt ist darüber schockiert. Meine Freunde sind komisch mit Büchern. Sie lesen alle Bestseller, und das so schnell wie möglich,  ich glaube, sie überspringen viel. Und sie lesen NIE etwas zwei Mal, weshalb sie sich ein Jahr später an kein einziges Wort erinnern können. Aber sie sind tief schockiert, wenn ich ein Buch in den Papierkorb werfe oder es fortgebe. Wie sie mich dabei ansehen: Man kauft ein Buch, man liest, man stellt es ins Regal, man öffnet es nie wieder im ganzen Leben, aber MAN WIRFT ES NICHT WEG! NICHT WENN ES EIN GEBUNDENES BUCH IST! Warum nicht? Ich für meine Person kann mir nichts weniger Heiliges vorstellen als ein schlechtes oder auch ein mittelmäßiges Buch.) (S.87 f)
Natürlich gibt es in meinen Regalen „heilige“ Bücher. Die würde ich auch nicht wegwerfen, wenn sie mir unter den Händen zerfallen. Da würde ich dann ein zweites als Leseexemplar kaufen. Dafür ist ja dann Platz

Lesen in der Badewanne

Mit meiner kleinen Tochter lerne ich: es gibt Bücher zum Schmusen, zum Greifen, zum Herumwerfen, zum Darauf-Herum-Kugeln. Es gibt Bücher für den Kinderwagen. Es gibt Bücher für die Badewanne. Wird sie vielleicht irgendwann nicht mehr aus der Wanne wollen, weil sie ihr Badewannenbuch liest? Ich kenne Erwachsene, denen es so geht. (Immer schön warmes Wasser nachlaufen lassen.)

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