Ich neige dazu, Gesamtwerke kennen zu wollen. Und nicht nur die Werke selbst, sondern ihre Entstehungsgeschichte, historischen Kontext, literarische Bedeutung, Interpretationen …
Wenn ein neues Buch von einem Autor erscheint, der mich interessiert, lese ich dann nicht dieses Buch, sondern beginne mit einem seiner ersten Werke – um alles besser zu verstehen. Das führt meist dazu, dass ich dann das Frühwerk oder einen Teil davon kenne, möglicherweise ein paar Interpretationen, Interviews, Zeitungsartikel – aber nicht das neue Buch. Das lese ich, wenn überhaupt, oft erst Jahre später. (Ein Vorteil dieser seltsamen Angewohnheit: die frühen Bücher gibt es oft als Taschenbücher, die neuen nicht. Das macht die Sache etwas billiger. Vieles ist auch vergriffen und kann nur mehr ausgeliehen werden. Noch billiger.)

Gerade ist es wieder geschehen. Christa Wolf hat einen neuen Roman veröffentlicht, der mich sehr interessiert. Christa Wolf. Stadt der Engel Er wird viel besprochen und kritisiert. Ich lese ihn aber nicht. Ich lese eines ihrer ersten Bücher „Der geteilte Himmel“. Dann noch einige Interviews und einen Teil aus einer Biographie. Anschließen wird sich wohl eine andere Autorin, die thematisch und historisch hier dazu gehört, Brigitte Reimann. Brigitte Reimann. Ankunft im Alltag  Nicht das neue Buch von Christa Wolf. Das werde ich in diversen Buchhandlungen sicher oft in der Hand haben, aber lesen werde ich es – wer weiß wann.